Erfahrungsbericht Game Up RLP 2019 von Gino Rottenbach

Der Game Jam in Mainz war eine sehr interessante Erfahrung. Für mich war es der erste Game Jam an dem ich teilnahm, daher hatte ich keine Ahnung was mich in den 72 Stunden erwarten würde. Wir hatten sicherheitshalber etwas Verpflegung mitgebracht, haben davon jedoch nichts benötigt da alles bereitgestellt wurde.

Nach der Begrüßung aller Teilnehmer erfolgte die Bekanntgabe des Themas, gefolgt von zwei kurzen Vorträgen a 15 Minuten. Die Vorträge wurden von erfahrenen Mitarbeitern von Ubisoft gehalten und gaben Infos und Hinweise für die Entwicklung. Anschließend wurden uns 30-45 Minuten Zeit für die Entwicklung einer Spielidee gegeben, in der bereits in kleinen Gruppen Ideen ausgetauscht wurden. Nach einem kurzen Pitch der Ideen haben sich die finalen Gruppen gefunden und man verteilte sich in den bereitgestellten Räumen.

Unsere Gruppe entschied sich aufgrund fehlender Manpower für ein einfaches 2D Jump&Run, für die wir einige Assets bereits im Vorfeld mitgebracht hatten. Durch die geringe Größe unserer Gruppe konnten wir die Aufgaben klar verteilen, wodurch wir sehr effizient voran kamen. Bereits am ersten Abend waren die Grundfunktionalitäten implementiert, die allerdings noch sehr fehleranfällig und fehlerbehaftet waren.

Der zweite Tag begann für einen Teil von uns vor dem gemeinsamen Frühstück mit dem Beheben von einigen Bugs. Nach dem Frühstück teilten wir die Aufgaben dann in die Bereiche Bugfixing und Feature Implementation ein, sodass wir nicht weiterhin auf der Stelle standen sondern auch weiter voran kamen. Das permanente Starren auf Code erwies sich als sehr anstrengend, so dass zwischendurch kurze Spaziergänge entlang des Ufers nötig waren. Nach dem Abendessen sah man dann auch häufiger kleine Grüppchen an der bereitgestellten Nintendo Switch in einem Super Smash Bros Turnier, dem ich mit ein paar mal anschloss. Zu diesem Zeitpunkt waren wir auch bereits grundlegend fertig und hatten die Features soweit implementiert. Was noch blieb war das Fixen von Bugs, was sich zu diesem Zeitpunkt als sehr komplex herausstellte. Gegen 4 Uhr nachts ging für uns dann auch der zweite Tag zu Ende.

Im Gegensatz zum vorigen Tag suchte ich mir allerdings ein Sofa bzw Sessel zum Schlafen. Der Boden im Schlafraum war zum Einen sehr unbequem und zum Anderen sorgte ein vergessener Wecker dafür, dass der gesamte Raum um 5 Uhr wieder hellwach war. Der letzte Tag beinhaltete nur noch das Fixen von Bugs und austauschen von Grafiken. Im selben Zug suchte ich aus meiner Bibliothek die Audioassets für Soundeffekte und Hintergrundmusik heraus und implementierte diese. Außerdem fiel mir in der Nacht noch eine kleine Hintergrundgeschichte zu dem Spiel ein, welche ich mittels Zwischensequenzen und Texten in das Spiel einbaute. Währenddessen fixte Jonathan fleißig Bugs und passte den Levelaufbau an einigen Stellen an, so dass sich der Spielfluss angenehmer anfühlte. Unsere angepeilte Fertigstellung gegen 12-13 Uhr schafften wir überhaupt nicht, wodurch die letzten Stunden sehr schnell in Stress ausarteten. Der fehlende Möglichkeit meines Entwicklungsrechners ins Internet zu kommen verbesserte die Lage auch nicht. Da um 15 Uhr Abgabe war, mussten wir daher noch genauer darauf achten, beim Synchronisieren der Daten keinen Fehler zu machen.

Letztendlich wurden wir kurz vorher fertig und präsentierten unser Spiel vor versammelter Mannschaft als einer der letzten Gruppen. Es erfolgte eine fast einstündige Besprechung der Jury, in der alle Gruppen ihre Rechner und Spiele aufbauten, mit sich jeder Teilnehmer an den Spielen der anderen Gruppen versuchen konnte. Die Gelegenheit musste natürlich genutzt werden, was auch in vielen, ausführlichen Gesprächen mit den anderen Teams endete. Zu diesem Zeitpunkt konnte man bei vielen Teilnehmern die Müdigkeit und Freude auf das nahende Ende bereits ansehen. Uns erging es da nicht anders, mehr als 4-5 Stunden Schlaf gab es in den zwei Nächten nicht. Als die Jury zwischenzeitlich fertig wurde und sich wieder in den Versammlungsraum begab, sammelten sich wieder alle Teilnehmer auf den Sitzplätzen.

Wir wurden als Gewinner des dritten Platzes aufgerufen, wobei wir wohl sehr überrascht wirkten. Das kann auch gut an der Müdigkeit gelegen haben, allerdings haben wir nicht damit gerechnet als einer der Sieger aus dem Game Jam hervor zu gehen. Die Freude und Überraschung konnte man uns ansehen. Wir bedankten uns bei der Jury, den Organisatoren und den anderen Teilnehmern und begaben uns wieder auf unsere Plätze. Es erwartete uns zum Abschluss noch eine fast 2 stündige Heimfahrt, die in einer angenehmen Dusche und dem geliebten Bett endete.