Erfahrungsbericht Game Up RLP 2019 von Jonathan Schneider

Ich hatte zuvor nie an einem Game Jam teilgenommen, weshalb ich bereits bei meiner Vorbereitung sehr gespannt darauf war. Da es vorab keine Informationen über die Verpflegung für die 72 Stunden gab, begann meine Vorbereitung zunächst mit einem Großeinkauf von Keksen, Chips, Energy Drinks und Bier. Dass das vollkommen überflüssig war wurde mir direkt bei der Ankunft bewusst. Die Veranstaltung begann mit einer herzlichen Begrüßung aller Teilnehmer, welche vom Teenager bis “Best Ager” reichten.

Danach folgten zwei Vorträge mit Tipps für die Spieleentwicklung auf einem Game Jam, welche uns nahe legten, alles was man jemals über Qualitätssicherung, Vorgehensmodelle oder Datenkapselung gehört hatte über Bord zu schmeißen und unsere Priorität darauf legen sollten zumindest fertig zu werden. Nach der Vorstellung des Themas zu welchem wir entwickeln sollten, bekamen wir eine dreiviertel Stunde Zeit und Spielideen zu überlegen, welche anschließend präsentiert wurden. Nach der Präsentation fanden sich die Gruppen zusammen und es folgte die Wahl eines Raumes und das Aufbauen der Computer und Laptops. Da wir bereits vorab beschlossen in einer kleinen Gruppe von 2 Programmierern und 1 Grafikerin, welche bereits am ersten Tag starke Kopfschmerzen plagten, zu bleiben, beschränkten wir uns auf das einfache Konzept eines 2D Jump n Run Games, für welches wir bereits im Vorfeld die benötigten Assets besorgt hatten und diese durch Melanie erweitert werden konnten.

Da wir alle Grund Assets bereits hatten konnte Melanie in ihrem Tempo arbeiten und uns Stück für Stück ihre Werke zu spielen, ohne dass wir auf sie warten mussten. Als bereits eingespieltes und übersichtliches Duo konnten Gino und Ich mit dem Coden loslegen, kannten die Fähigkeiten des Anderen und so viel die Aufgabenverteilung des Programmierens ohne große Absprachen sehr leicht. Dass ich mir keine Verpflegung hätte mitnehmen müssen stellte ich noch am ersten Abend fest, denn es gab nicht bloß am Samstag Abend wie angekündigt Pizza, sondern bereits Freitag. Dies jedoch in einer Menge und Variation, dass man allein von der Menge des ersten Abends gefühlt eine Familie für einen Monat hätte ernähren können. Am ersten Abend hatten wir bereits ein erstes Testlevel, in welchem wir alle Grundfunktionen wie Bewegung, Items sowie die Kernmechanik des Aufheizens implementierten. Diese waren zwar noch fehleranfällig, jedoch war ich überrascht, dass wir so gut voran kamen. Zunächst begaben sich meine Mitstreiter zu Bett, später legte auch ich mich unter meinen Tisch.

Melanie und Gino weckten mich dann pünktlich zum Frühstück, welches wie das vorherige Abendessen sehr üppig ausfiel. Danach begaben wir uns daran neue Features zu implementieren und bestehende Fehler zu beheben, Melanie malte weiter Assets und so verging die Zeit wie im Flug. Alle paar Stunden begaben wir uns auf einen kurzen Spaziergang entlang des Ufers, um sich etwas von dem langen Sitzen und Starren auf den Code zu erholen, sowie sich neue Ideen für weitere Features zu überlegen. Auch am zweiten Abend gab es wie angekündigt Pizza und wieder in allen erdenklichen Variationen und in super großen Mengen, weshalb die ebenfalls verfügbaren Nudel Aufläufe und Lasagnen schneller von den fast Pizza müden Programmierern und Designern verspeist wurden als man gucken konnte.

Nach dem Essen waren noch die hartnäckigsten Bugs auf der Todo Liste, um welche sich Gino kümmerte, ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht das Movement zu überarbeiten und zu erweitern, was sich als kniffliger herausstellte, als erwartet, weshalb auch dieser Tag für mich erst sehr spät vorbei war.

Am nächsten morgen wurde ich wieder von meinen Mitstreitern geweckt und wir begaben uns nach dem Frühstück daran die Level und andere Mechaniken zu verfeinern und Gino überarbeitete das Storytelling und baute Sounds ein. Das Gefühl der vorherigen Tage, pünktlich fertig zu werden und gut in der Zeit zu liegen, erwies sich am letzten Tag als trugschluss, da die Idee noch am letzten Tag sämtliche Level zu überarbeiten als zu groß erwies, weshalb der Zeitdruck immer mehr zunahm. Das Synchronisieren meiner und Ginos Version per Hand erleichterte dies auch nicht und so kam die 15 Uhr Grenze sehr schnell sehr nah und alle Gruppen präsentierten ihre zum Teil sehr beeindruckenden Spiele. Zuvor konnte man nur von außen sehen, in welche Richtung diese gingen, jedoch hatte ich keinen Eindruck davon, wie gut die einzelnen Gruppen voran kamen.

Daher waren die Präsentationen sehr interessant. Während unserer Präsentation fiel mir dann auf, dass mein Laptop mit dem 4K Riesenmonitor etwas überfordert war, weshalb wir unser Spiel leider nicht in vollem Umfang zeigen konnten. Anschließend hatten wir die Gelegenheit die Spiele der anderen Gruppen zu testen, was allen eine große Freude bereitete und so füllte sich der Raum mit Fachgesprächen warum man dieses oder jenes umsetzt hatte. Als die Jury sich fertig beraten hatte, wurden die Gewinner prämiert. Während der Einleitung des ersten Gewinners, tauschten wir bereits fragende Blicke aus, da es sich ein wenig nach unserem Spiel an hörte, jedoch hatten wir nicht erwartet einen höheren Platz zu belegen, da wir die kleinste Gruppe waren und unsere Präsentation nicht im Ansatz nach Plan lief. Als dann jedoch unser Name fiel, waren wir derart Überrascht, dass wir zunächst gar nicht reagierten, sondern uns nur ungläubig anstarrten, anschließen aufstanden und ein paar Worte des Dankes improvisierten. Nach der Preisverleihung konnte man erneut alle anderen Spiele testen und der Abbau begann. Nach der Heimkunft wartete schon die Dusche, welche ich nach drei Tagen echt vermisst hatte sowie mein Bett in welches ich an diesem Abend erschöpft und glücklich hinein fiel.